Nur in aller Kürze

"Urlaub muss auch mal sein -Teil 2" in Arbeit!
Diesmal mit Benita :)

29. Juli 2010

Meine Arbeit -erster Eindruck, erster Tag

Meine Arbeit hat jetzt plötzlich auf einmal und mit vollem Programm angefangen.
Und das sowohl der komerzielle Teil wie auch der freiwillig-soziale Part.
Ich fange mit der Geldverdienerei an:
Am Sonntag, als wir uns alle auf Babys Rancho getroffen haben um den Geburtstag von Babys Schwesters (Angela) Mann (Chore) zu feiern, habe ich mit Babys Bruders (Grillo) Frau (Adriana) getroffen, die mich davon überzeugt hat mir meinen Lebensunterhalt mit Deutschunterricht zu verdienen.
Am Montag, noch bevor ich ihr meinen Lebenslauf, wie eigentlich versprochen, schicken konnte, hat sie schon angerufen und gesagt, dass sie unglaublich viele Interessenten hätte und ich doch am bestem gleich morgen früh anfange.
Noch bin ich nur intrafamiliär tätig; Adrianas Kinder Fernando (4) und Fernanda (5) sind meine ersten Schüler. Heute haben wir mit dem Efelanten und der Maus (nicht alle wissen hier, von wem ich spreche; es sind Kuscheltiere und mehr) verstecken gespielt und dabei die Zahlen geübt und "Wo bist du, Maus", "Ich habe dich, Elefeant." und "Bist du da? -Nein"...
Ich bekomme 150 Pesos die Stunde und das steht meinem deutschen Nachhilfestundenlohn echt in nichts nach.
Überleben werde ich also hoffentlich.

Nun zur sozialen Arbeit.
Wie schon gesagt, arbeite ich im Colegio de Especialidades Avanzadas en Sexualidad y Salud.
Carlos Aviña ist Psychologoge und der Hauptverantwortliche.
Am Dienstag Abend bin ich mit Baby zu ihm gegangen und habe eine erste Einführung bekommen.
Das Haus ist ein normales Wohnhaus nicht weit davon enfernt, wo ich früher mit der zweiten Familie gewohnt habe.
Fotos (was ja eigentlich immer der interessanteste Teil ist) kommen später, ich habe noch keine passende Situation gefunden.
Aber der Inhlat sollte eigentlich viel wichtiger sein: Es geht um missbrauchte Kinder. Familiäre Gewalt, sexueller Missbrauch.
Es wird auf verschiedenen Ebenen gearbeitet.

Ein Ziel ist es, das Gesetz zu ändern. Denn Kindermissbrauch ist kein schlimmes vergehen (laut Gesetz) und da Kinder keine Stimme vor dem Gesetz haben, müssen die Erziehungsberechtigten anzeige erstatten. Tun das aber selten, weil das meiste ja von der Familie selbst ausgeht. Wie ist das eigentlich in Deutschland?

Dann gehts natürlich um die Kinder. Psychologen, Pädagogen, Anwälte, Sozialarbeiter. Alle kümmern sich auf ihre Art um die Kinder.

Die Mamas. Die Mamas bekommen einen Gesprächskreis und auch Einzelberatung. Psychologisch, juristisch, was auch immer vonnöten ist.

Ein grosser Teil der Arbeit steckt in Tagungen zur Prävention. Dort werden Kinderbetreuung, Essen, kleine Geschenke usw gratis gestellt, damit die Menschen kommen und erstklassige Vorträge von Spezialisten über das Tabuthema Kindermissbrauch hören.
Irgendwie muss man die Mensche zum Zuhören bringen.
Dann gibt es kleinere Projekte. Zum Beispiel hat Carlos einen Raum aufgeschlossen und ein Traum aus selbstgemachten Ketten, noch nicht verarbeitete Perlen und Werkzeuge kam mir entgegen.
Die Frauen haben hier eine sichere Arbeit und verkaufen dann an einem sicheren Ort, wie z.B. auf Kirchplätzen und so.
Carlos hat mir gestern (Dienstag) dann gesagt, dass ich heute (Mittwoch) gleich kommen sollte.

Morgens habe ich dann noch Deutschunterricht gegeben, bin dann zum Essen zur Familie Dahuss gegangen und von dort aus zur Arbeit.

Als erstes haben wir Bücher in Kisten gepackt, um dann aus dem eben frei geräumten Regal einen Schreibtisch zu basteln. Man muss sich eben zu helfen wissen.
Dann kamen die Kinder und die Mamas. Die Mamas bleiben zusammen im Haus und reden über ihre Probleme in einer Art Selbsthilfegruppe.
Die Kinder gehen während dessen spielen und heute bin ich mit ihnen gegangen.
Falls es normale Kinder geben sollte, gehören diese definitiv nicht dazu.
Zuerst sind wir zu den Bahnschienen geschickt worden; sehr paradox. 
In Deutschland warnt man Kinder vor den Schienen und Zügen, war das nicht so?
Allerdings fahren auch wirklich wenig Züge und die Strassen sind hundert mal gefährlicher.
Dann wurden wir zu einem Park gebracht mit vielen Spielgelegenheiten und einem vertrauenswürdigen Zaun drum rum. Alle können einfach spielen und das ist schön. Aber einige weinen öfter als gewohnt, plötzlich werden sie aggressiv oder laufen alleine einfach im Kreis.
Wir wollen ihnen hier geben, was sie zu Hause nicht erfahren: Respekt, Liebe, Sicherheit.
Ein 15-jähriges Mädchen zeigt mir den Park, erzählt mir etwas über die Kinder (die irgendwie alle mit ihr verwandt sind) und über sich selbst.
Sie sagt: Ich bin gewalttätig. Ich kann mich nicht kontrollieren; wenn ich mich aufrege schlage ich meine Geschwister.
Zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich sie richtig verstanden habe. Dieses ruhige Mädchen, das mich zu sich in ihre Töpferei eingeladen hat.

Unterbrochen von Carmen und Lilian (oder so), die unter Anneeeee-Geschrei sich immer wieder auf mich stürzen. Diese beiden Mädchen sind als einzige frei und froh.
Zum Abschied kriegen alle noch eine Art Wassereis.
Zurück im Colegio de Especialidades (kurz: CE) kriegen alle Chips und was zu trinken.
Und ich werde auf den Psychologenmassagestuhl gebeten: Wie war der erste Tag?
Ich muss zugeben, dass ich mich viel wohler gefühlt hätte, wenn ich nicht auf diese analytisch-psychologische Weise gefragt worden wäre.
Aber er war gut, der erste Tag.
Heute gehe ich wieder zu 16 Uhr hin. Aber heute sind keine Kinder da; heute kümmern wir uns darum Stimmen zu sammeln für Iniciativa Mexico
Später werde ich euch auch bitten zu stimmen, denn es ist sehr wichtig (und funktioniert ähnlich wie die Petition der Hebammen). Aber dann erklär ich noch mal genauer wie das geht und wofür das ist.
Es folgen Einträge über die Arbeit hier, denn es ist ein sehr komplexes Thema und ich konnte in der kurzen Zeit natürlich nur einen kleinen Teil mitkriegen...

6 Kommentare:

Renate hat gesagt…

Hallo Anne,

jetzt steckst du ja voll in Arbeit.
Liebe Grüße Mama

Dein Bruder hat gesagt…

Hallo Anne,

dsa klingt ja alles sehr spannend und als ob es dir Spaß machen würde...
Und ja bisher habe ich sogar alle deine Einträge gelesen... Ich schreib dir nachher noch eine
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lange mail

Dein aller liebster und einzig wahre Bruder mit Namen Kristian :D

Anonym hat gesagt…

Hallo Anne,
du hast geschrieben: "Tun das aber selten, weil das meiste ja von der Familie selbst ausgeht. Wie ist das eigentlich in Deutschland?"

bei http://www.polizei-beratung.de habe ich dazu folgendes gefunden:

"Sexueller Missbrauch von Kindern: Strafanzeige

Jedermann, also beispielsweise der/die Sorgeberechtigte(r), ein(e) Verwandte(r), ein(e) Nachbar(in) oder ein(e) Freund(in) des Opfers sowie auch das Opfer selbst können den Strafverfolgungsbehörden (= jede Polizeidienststelle oder Staatsanwaltschaft) persönlich oder schriftlich ein mutmaßlich strafbares Geschehen anzeigen. Auch Kinder können Anzeige erstatten.

Die Anzeige kann anonym oder pseudonym erfolgen, schriftlich oder mündlich. Sie muss entgegengenommen werden, die Strafverfolgungsbehörden sind zur Erforschung des Sachverhalts gesetzlich verpflichtet. Bitte beachten Sie: Die Strafanzeige kann nicht zurückgenommen werden. Die Polizei muss bei Bekanntwerden der Tat ermitteln."

Der ganze Link ist hier: http://www.polizei-beratung.de/rat_hilfe/opferinfo/sexueller_missbrauch_von_kindern/ablauf_des_strafverfahrens/strafanzeige/


Viel Erfolg beim Deutschunterricht und weiterhin alles Gute!
Wiebke

manuschnirkt hat gesagt…

Phoa!
Wie ist das denn ploetzlich alles passiert?!
Du hast tatsaechlich einen Weg gefunden in Mexiko Geld zu verdienen. Hatte auch schon drueber nachgedacht, dass du dringend deine Sprachkenntnisse nutzen musst. Wo du ja sagtest du kannst alles nur schlechter, als die Leute vor Ort...
Wuerd gern mehr auf Skype hoeren, hoffe das klappt bald. Mach mich ja nun auch auf den Weg nach Frankfurt.
Alles, alles gute fuer die Arbeit (die nebenbei super klingt)!

Anne hat gesagt…

Danke, Wiebke fuer die Information!!
Das ist wirklich interessant, wie unterschiedlich die Rechtssysteme sind.
Kristian, ich habe keine soooo lange und keine soo lange Mail erhalten, ich habe gar keine von dir gekriegt!
Manu, du hast mir viel zu erzaehlen, bis bald!
Mama, ich hab dich lieb.

Dein Bruder hat gesagt…

schreib mal wieder was anne!!!
Übrigens, wenn man monatlich 300.000
€uro zur vergfügung hat, verfällt man dann in depression?!? Sind die Holzpreise dort wirklich so hoch?

Liebe Grüße
Bruder